Montag, 19. September 2016

Material beschaffen I - Stoff und seine Tücken

Mal ganz im Ernst, es ist ein Leichtes andere zu verurteilen, zu belächeln und für dumm, geizig oder was auch immer anzusehen, weil sie, wenn sie das 'Ich kann nicht nähen' Stadium hinter sich gelassen haben und dann halt den falschen Stoff gekauft haben. Ja gut, dann haben sie halt Baumwolle gekauft, oOder irgendwelche Polytierchen (Polyester, Viskose, ... ), oder eben die falsche Webart.

Das ist natürlich ärgerlich. Aber erinnern wir uns, solche Leute
  1. haben in der Regel nicht so viel Geld, was sie dazu veranlasst günstigen Stoff zu kaufen. Ist natürlich nie der richtige. Aber jeder glaubt und hofft darauf ein echtes Schnäppchen zu machen...
  2. fangen erst an mit dem nähen, die Gefahr, dass sie sich vertun und was schief läuft ist groß. Dann auch noch tollen, teuren Stoff verschnitten zu haben wäre vermutlich ein gutes Grund gleich wieder aufzuhören. 
  3. wissen es oft auch einfach nicht besser (Anfänger). Sie wollen erst mal reinschnuppern. Man kann schlecht erwarten, dass so ein Anfänger gleich von Anfang an sich auf Quellen stürtzt, gleich weiß was was ist, wo was herkommt und was modern ist. Das Recherchieren muss ja auch erst gelernt werden. Viele wollen das aber auch gar nicht als akademisches Hobby betreiben.
  4. kaufen im Internet. Das tun viele. Aber das Internet bescheißt einen oft, oder führt einen in die Irre. Ich selbst stolpere auch immer wieder und nur weil ich einfach jedem Angebot misstraue, das zu günstig ist, finde am Ende oft scheinbar gute Angebote, die doch ungeeignet sind.
Also für 4. gibt es Beispiele en mass. z.B. wird hier Leinen - Uni - Stoff - Meterware - Jeansblau angeboten. In der Beschreibung steht aber, dass der Stoff aus 100% Ramie besteht. Also ich behaupte mal in meinem jugendlichen Leichtsinn, dass wird noch exotischer als Seide gewesen sein im Mittelalter. Warum sollte man Ramie importieren, wenn man den heimischen Flachs hat?
Aber abgesehen von der Belegbarkeit des Materials, finde ich einfach, dass das Bauernfängerei ist. Ich habe schon gefragt, weshalb es als Leinen bezeichnet wird, wenn es aus Ramie besteht. Ist ja nur Leinengewebe, Leinenbindung, kam die lapidare Antwort (die ich im Übrigen als ziemlich unfreundlich empfand. Immerhin wird nirgends erwähnt, dass es lediglich um die Leinwandbindung geht. Und die Artikelbeschreibung ist auch eher sparsam. Genaugenommen ist die Kurzbeschreibung direkt unter dem Preis alles, was es gibt - die meisten überfliegen oder schlicht übersehen diese. Und bestellen in gutem Glauben jeansblauen Leinenstoff (es gibt auch andere Farben, ich habe diesen nur rausgepickt weil ich zufällig dort die Frage gestellt hatte) und bekommen nicht mal Leinen. Sie bekommen einen Stoff in Leinwandbindung. Aber man bekommt fast jede Faser in Leinwandbindung - Baumwolle, Nessel, Wolle, Polyester, whatever. Aber mit Leinen assoziiere ich dann schon die Flachsfaser.

Also kein Wunder, dass mancher meint er hat ein Schnäppchen gemacht, und hat am Ende eigentlich doch zu viel bezahlt.

Oder, dann findet man einen echt günstigen Loden. Ist sogar aus Schurwolle. Man freut scih einen Ast, dass er nicht 30€/m kostet... und dann ist es Strickloden, Wirkware oder wie sich alles nicht gewebte Gewebe nennt.

Also meine Lieben, Wolle für 15€/m oder noch weniger ist selten ein Schnäppchen. In seltenen Fälle sind es Restposten, aber die Fälle sind in den letzten ~5 Jahren immer seltener geworden. Lest euch die Artikelbeschreibung genauestens durch.  Und wenn dann immer noch keine absolute Klarheit besteht, schreibt den Verkäufer an und fragt!

Gebot: Zu gut um wahr zu sein? Dann ist es das nicht! Das Kleingedruckte lesen oder (konkret) nachfragen!

Man muss Erfahrungen sammeln, um einschätzen zu könenn, ob etwas nun auch seinen Preis wert ist. Man kann auch Leinen für teuer Geld kaufen, muss man aber nicht. Es hängt davon ab, was man damit vor hat. Deswegen nicht gleich den nächstbesten Stoff kaufen, nur weil er gerade so billig ist. Am besten nichts kaufen was billig ist. Lernt lieber den Unterschied zwischen billig und günstig.

PS: Ich habe hier explizit keine schicken pflanzengefärbten, handgewebten, Stoffe aus handgesponnenem Garn erwähnt. Der Anfänger an sich wird bei den Preisen gleich Rückwärts aus dem Stuhl fallen und mir nen Vogel zeigen. Zu sowas muss man sich langsam hinarbeiten. Man muss genügend Sicherheit im Umgang mit dem Stoff erwerben, um sich zuzutrauen ihn nicht zu verschwenden. Wer soweit ist, kann auch Geld beiseite legen um sich solche Stoffe zu kaufen und wird entsprechend meine Ratschläge nicht mehr benötigen.

Freitag, 16. September 2016

Das Zelt transportieren - Anleitung (Fotos)

Anmerkung: Dies ist der 150. veröffentlichte Post!

Ok, wie schon berichtet, kam mein Zelt ohne Zeltsack. Das war sehr verdrießlich. Aber nach dem zweiten Aufbau hatte ich herausgefunden, dass mein Zelt in so einen Jute Sack (105x60cm) passt, wenn ich es denn ordentlich zusammenlege. (Die Säcke sind auch noch als 'Verkleidung' für Müllsäcke praktisch, für irgendwelchen Schnickschnack, Als kleiner Läufer am Boden... sehr vielseitig die Dinger.)

So, wie legt man aber so ein Sachsenzelt ordentlich zusammen?
Ich lege mein 3x5m Sachsenzelt wie folgt zusammen, damit es problemlos in den besagten Jutesack passt:

  1. Den Eingang verschließen
  2. Komplett ausbreiten, bis alle Ösen paarweise übereinander liegen (ausgenommen: die doppelten Ösen des Eingangs über der mittleren auf der Rückseite und die beiden einzelnen an den Rundungen rechts und links. Das Vordach (wenn vorhanden) glatt über den Eingang legen.
  3. Die Apsis (Rundung an der Seite) nach Vorne schlagen, bis rechts die Seite gerade ist.
  4. Das gleiche auf der linken Seite. Es entsteht ein Rechteck. Die Apsiden überlagern sich.
    Man verzeihe die Perspektive, wodurch es immer noch trapezförmig aussieht.
  5. Die Oberkannte (First) umschlagen bis zu der Unterseite an die Ösen.
  6. Die Hälfte der Plane von rechts nach links überschlagen (alle Ösen zeigen weiter nach unten)
  7. Wieder von die gegenüberliegende Seite der Ösen zu den Ösen überschlagen.
  8. Jetzt von rechts einmal um ein Drittel nach links überschlagen.
  9. Das übrige Drittel von links nach rechts überschlagen.
  10. Ab in den Sack damit. Am einfachsten mit den Ösen nach oben.
Das Gestänge habe ich straff gebündelt mittels zweier Spanngurte. Das Bündel wird mit zwei weiteren Spanngurten dann auf dem Dachgepäckträger verzurrt. Das hält sehr gut

Mittwoch, 14. September 2016

Das erste eigene Zelt II - Anpassen und Ausbessern (Fotos)

Ich hatte mich ja schon ausgibig darüber ausgelassen, über was ich alles unglücklich bin bei meinem Zelt. Also, da es nur zwei Arten von Menschen gibt, die die ewig jammern und die, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen wird es Zeit die gröbsten Probleme zu beheben.

Links: mitgelieferte Holzheringe.
Mitte: T-Eisenheringe (30cm)
Rechts: einfache Heringe für die Bodenplane
Darunter die gefaltete Bodenplane (~3x4m)
Zunächst einmal die Heringe.  Das Zelt kam mit einem Satz Holzheringe, die leider schon beim zweiten Aufbau teilweise kaputt gegangen sind. Also habe ich mir neue Heringe bestellt. Dummerweise wusste ich nicht aus dem Kopf, wie viele ich überhaupt benötige und habe einfach mal so zwei Dutzend T- Eisenheringe bestellt. Nachher stellte sich heraus, dass weniger auch ausgereicht hätten, aber sicher ist besser. Dazu habe ich mir einen Heringzieher bestellt, das Ding rentiert sich auf jeden Fall. Die T-Eisenheringe und die ganz normalen gehen damit auf jedenfall aus dem Boden wie Butter.

Dann habe ich die Idee von Freunden geklaut, die Bodenplane, die bei mir ja nur eine leichte grüne Gewebeplane mit Ösen ist, ebenfalls mit 10 gaaaanz einfachen Zeringen zu befestigen. Dann schlägt sie keine Falten (dafür bleibe ich beim Reingehen an ihr hängen. Egal wie, ich stolpere T_T). Die Plane hat 14 Ösen, aber die Ecken befestige ich nicht, da diese eh unter der Zelthaut hervorschauen. Also komme ich mit den 10 Stück genau aus. Einer ist allerdings schon etwas krum -.-

Firststange richtig positioniert mit der Hülse im Hintergrund.
Die fertige Firststange in Position
Und das wirklich lästigste, wenn auch nicht notwendigste Übel, war die Firststange. Die war geteilt. Was mich schon gewundert hatte, da sie eigentlich die kürzeste Stange des Zeltes war. Eigentlich. Die verbindende Metallhülse war an einer Hälfte der Stange festgeschraubt. Es war jedesmal ein enormes gefummel und gefriemel bis die Entfernung der beiden Steherl halbwegs stimmte. Auch nur halbwegs, weil sie es nie bis zu den verstärkten Ecke geschafft haben. Dafür waren die Stangen zu lang bzw. zu weit entfernt, um alles zurecht zu ziehen. Deswegen habe ich mir nach dem letzten Lager für die Saison 2016 die Mühe gemacht dieses Problem zu lösen.

Wie löst man aber das Problem? Ich habe die Zelthaut auf der Wiese ausgebreitet, umgeschlagen, bis ich sie fast auf Links hatte. Dan habe ich die Firststange in den verstärkten Ecken platziert und siehe da, die beiden Enden waren knapp 23cm von einander entfernt.

Firststange neben einem Steher.
Also egal wie ich mich anstelle, ich werde sie niemals an die Richtige Stelle bekommen, so lange sie zweigeteilt ist. Ich habe dann in den sauren Apfel gebissen  und alles ausgemessen und die Löcher, die ja schon vorgebohrt sind in der Hülse, auf den Latten markiert. Natürlich habe ich Füchslein daran gedacht, dass die Bohrungen für die Steher in die gleiche Richtung zeigen müssen.





Aus reiner Neugier habe ich dann mal schauen wollen, wie lang sie denn nun im Vergleich zu den Stehern ist. Von den Stiften, die die Steher mit der Firststange verbinden, ist die Firststange nun sogar ca. 2cm länger als die Steher selbst.

Zuletzt (weil noch nicht umgesetzt) Habe ich 20m 8mm dickes Hanfseil gekauft, da das Vordacht mir mit nur zwei Abspannseilen mäßig sicher abgespannt erscheint. Bisher habe ich es nur für die Griffe meiner Proviantthruhe gebraucht. Ausreichend Heringe habe ich ja schon (o=

Da man mir in Aussicht gestellt hat nächstes Jahr mit auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz, im Inneren der Festung zu lagern, sieht es aber so aus, als müsste ich noch zusätzlich Heringe für Felsboden bzw. richtige Erdnägel beschaffen. Ich liebäugle derzeit mit diesen hier.

Ob oder welche Plane ich ggf. in der Zukunft als Bodenplane verwenden werde, weiß ich noch nicht. Ich weiß nur, dass meine schon erste Ermüdungserscheinungen hat /-;

Montag, 12. September 2016

Projekt: Provianttruhe (Fotos)

Das gute Stück von Vorn.
Ich hatte ja eine Styropor Box gekauft. Nachdem ich sie bisher u.a. unter einem Leinentuch versteckt hatte, war es langsam Zeit sie stilvoller zu 'präsentieren'. Schon im Mai hatte ich Bretter gekauft um eine Truhe zu bauen. Allerdings hat sich meine Vorstellung diesbezüglich mehrfach geändert. Außerdem bin ich ein Wusel und hatte einige Denkfehler unterwegs. Insgesamt war ich drei vier mal im Baumarkt, wegen besagter Denkfehler. Da ich kein “Holzwurm“ bin und dies nach meinem Tisch (aka. zwei zurecht gestutzte Baumarktböcke mit drei zusammengenagelten uralten Regalbrettern) das erste komplette Stück war, dass ich selbst und ganz allein gebaut habe, ist es keine nennenswerte Schönheit, noch sonderlich günstig geworden.

Vielmehr ist diese Truhe ein Zeichen meiner Bockigkeit und Sturheit. Ich wollte eine Truhe und ich wollte nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag darauf warten. Zudem hatte ich eine bestimmte Vorstellung, dass sie nicht nur die besagte Styropor Box beherbergen sollte, sondern eben mehr. Den ursprünglichen Plan habe ich wieder verworfen, weil ich mir mal wieder keine Vorstellung von Dimensionen gemacht habe. Es hat auch gedauert, bis ich darauf gekommen war, dass die aktuelle Ausrichtung der Box effizienter ist.vorher hätte ich einiges an Raum verschwendet.
Die Rückseite der Truhe.

Ja, es sind Leimholzbretter, aus Nadelholz und ziemlich dünn oben drein. Die Frontstollen sind absolut geschummelt. Und die wenigen Gelegenheiten, wo ich selbst die Säge geschwungen habe, ist es krumm und schief und puckelig geworden (zum Glück gibts den Sägeservice im Baumarkt, sonst wäre das ganze Material als Feuerholz geendet). Aber im Anbetracht der Tatsache, dass der geplante Inhalt der Truhe noch Eigengewicht haben wird, mehr als nur ein paar Kleider, wollte ich nicht schon der Truhe zu viel Eigengewicht geben. Ich muss meinen Kram ja schließlich selbst und alleine Schleppen können.

Das oberste Gebot lautet: Kannst du es nicht alleine tragen, ist es nicht lagertauglich.

Ok, vielleicht nicht das aller oberste, aber mit eines der unmittelbarsten sicherlich.

Aber was natürlich keiner sieht, sind die vielen Dübel, mit denen ich die Kiste zusammengebaut habe. Man sieht von der Kiste selbst nur knapp die Hälfte der Dübel. Die geschummelten Stollen (aka Beine) verdecken die nicht so hübsch angeordneten Dübel. Und ja, ich war ein echt faules Stück, die ersten 50 Dübel hab ich so genommen, wie sie aus der Tüte kamen. Da sind keine selbst passend zurechtgesägten Holzstifte oder Holznägel oder so. Aber man sieht ihnen das kaum an ^.^
Auch die Tatsache, dass ich mich schwer damit tue gerade runter zu bohren, fällt bei so dünnen Brettern ja schon schneller auf. Man kommt schließlich schnell an einer Seite wieder raus. ^_^;;; Das war insbesondere bei dem Deckel der Fall. Aber nach dem Dritten hatte ich den Bogen raus. Ich habe es trotzdem wie es war verdübelt und alles überstehende weggesägt und glatt geschmirgelt. Und ja, da musste ich auch was ansetzen, da ich extrem faules Stück, das ich bin, fertige Bretter genommen habe, und die nur auf Länge hab schneiden lassen. Dann ist mir aufgefallen, dass ich die Stärke der Bretter bei der Konstruktion gar nicht berücksichtigt habe und entsprechend waren überall dann Lücken... an zwei Stellen habe ich die Entsprechenden Bretter gekürzt und den Deckel dann breiter gemacht. Sollte ja nach Außen hin schon wie eine geschlossene Kiste aussehen, ohne "Belüftungslöcher". Das klingt alles sehr abstrakt, ich weiß, aber von meinen vielen Anläufen habe ich kein Beweismaterial gesammelt ^.^

Jetzt nach dem Ersten Einsatz weiß ich, dass die mehr oder weniger volle Truhe grenzwertig schwer ist. Mit Ach und Krach habe ich sie Zuhause ins Auto bekommen. Zugegeben, ohne die Entzündung im Handgelenk und im Ischias und Gott weiß was mein Rücken alles hat, wäre es vermutlich eleganter von Statten gegangen, aber hey, drin ist drin.
Das Innere der Truhe.
2 Flaschen Wasser und 1 Flasche Wein
(Hypocras) fehlen schon.
Zumindest weiß ich jetzt, dass mein gewöhnlicher Getränkevorrat perfekt in die Kiste passt. Da rutscht nichts. Allerdings ist dann das ganze Gewicht auf einer Seite T_T das war nicht richtig durchnacht. Der gaaaanz ursprüngliche Plan sah vor, dass die Styroporbox in der Mitte steht und rechts und links davon Platz sein wird. Auf einer Seite sollten die Wasser flaschen, auf die andere ... weiß ich gar nicht mehr. Die Säfte? Oder Brot und so? Das wäre allerdings etwas eng geworden mit nur knapp 14cm auf jeder Seite...

Das gute Stück wird jetzt noch mit Leinölfirnis eingepinselt und dann reicht es auch erstmal.
Für den nächsten Versuch habe ich dann inzwischen auch die passenden Bohrer.... knapp 80 Löcher mit 'Universalbohrern' zu bohren war sehr zeitaufwändig, anstrengend und hat mich beinahe an den Rand des Kollers gebracht, inklusive blutigem Amoklauf. Mit vernünftigen Holzbohrern geht es ganz gut, man muss nur aufpassen, dass man sich nicht verkantet.

Natürlich ist die nächste schon in Planung ^.^ Allerdings habe ich festgestellt, dass in meinem Auto mit der Truhe langsam der Platzmangel eintritt. Ich habe meine Ausrüstung nur so gerade ins Auto bekommen. Ich sollte mal nachmessen, in welchen Dimensionen ich Arbeiten muss, damit mein kleines Vehikel das noch packt. Aber ich schätze, um die Anhängerkupplung werde ich nicht viel länger rum kommen, wenn ich noch mehr Möbel haben möchte, wie z.B. ein Bett. Aber für solche zukünftigen Möbel habe ich bei dieser Truhe schon allerhand gelernt (o;

  1. Nur ewig halten wird sie nicht, das sehe ich schon. Leimholz ist halt nicht wirklich geeignet.

Freitag, 9. September 2016

Was ich über Leute denke, die sagen: "Ich kann nicht nähen"

Entschuldigung, momentan scheint einfach die Zeit der kleinen Aufreger zu sein (Facepalm-Momente in großer Zahl helfen nicht die Stirnfalten zu reduzieren!!!) Eigentlich wollte ich als nächstes über meine selbstgebaute Truhe schreiben, aber das brennt mir gerade unter den Nägeln.

Eben traf es mich wie ein Bus, die immer selben Aussagen.
"Ich möchte Mittelalter machen, aber ich habe nicht viel Geld, könnt ihr mir was empfehlen?" Hier können Klamotten, Schuhe, Accessoires, Möbel, Zelte... eigentlich alles gemeint sein. Aber mehrheitlich geht es um Klamotten. Richtig, nicht um Gewandung.

Natürlich stürzt sich der durchschnitts A-päbstliche Re-enactor darauf und fängt gleich an die guten Ratschläge rauszuhauen. Ich gebe an dieser Stelle zu, dass dies oft den Neuling an sich überfordert und man hier wirklich etwas feinfühliger vorgehen könnte. Aber man möchte ja nicht, dass diese junge Seele den GroMis und Fantasyprinzessinnen in die Hände fällt. Weil der arme A-Pabst nämlich ganz dolle weint, wenn er wieder eine Seele nicht vor der (seiner) Verdammnis retten konnte. Eigentlich nicht. Meiner Erfahrung nach werden solche verlorenen Seelen als bald ignoriert und vergessen - je nach Fortgeschrittenem A-Pabsttum passiert das Vergessen schneller oder langsamer. Falsche Hobby halt.

Die meisten  Ratschläge, die Mittelalter, Kleidung und nicht viel Geld beinhalten und nicht auf Faschingskostüm hinauslaufen, beinhalten das Konzept des 'Selber Nähens'. Und zu 99% kommt die Antwort, dass das ja nicht geht, weil derjenige nicht nähen kann.
Natürlich gibt es 'Schnittmuster' - was meiner Meinung nach schon viel zu hoch gegriffen ist. Mittelalterliche Kleidungsstücke sind zumindest für die Oberbekleidung (insbesondere des Oberkörpers) so simpel konstruiert, dass das über das Ziel hinausschießt. Alles, was wirklich kompliziert ist, ist entweder nicht mittelaltertauglich, oder schlicht schon so weit oben in der Darstellung (Adel und so), dass sich der arme Schlucker, der da um Hilfe gebeten hat, sich das eh nicht leisten kann. Zur Erinnerung, derjenige hat ja nicht so viel Geld.

Die Tatsache, dass für ein erstes Kleid, und sei es nur das Unterkleid aus Leinen, man schlicht keinerlei Vorkenntnisse benötigt und der 'Schnitt' so einfach ist, dass man Grundschüler damit beschäftigen könnte,  UND es deutlich günstiger ist im Vergleich zu gekauften Kleidungsstücken, will diesen Menschen nicht einleuchten.

Sie können nicht nähen. Ist halt einfach so.

Solche Menschen möchte ich bei den Schultern packen und schütteln. Warum?
Überlegen wir doch mal: Ich  kann lesen - es gab mal eine Zeit, wo ich das nicht konnte. Ich kann kochen - auch das konnte ich nicht immer schon. Und es gab mal eine Zeit, wo ich nicht gehen/laufen/schwimmen whatever konnte. Das habe ich alles gelernt. Unfassbar, diese geheime Superkraft die man Lernfähigkeit nennt! Wenn das nur jeder könnte! Was würden wir bloß tun?!
Richtig, ich mache mich gerade über solche Leute lustig. Und ich werde es immer wieder tun. Denn: sie sollen ja nicht schneidern lernen. Es geht hier um das einfache Nähen, fast ausschließlich gerade Nähte, keine Abnäher, keine Rundungen, Falten etc. pp. 

Das Konzept des Nähens ist nicht dasselbe wie Schneidern. Wer in der Lage ist mittels einer Nadel und des dazugehörigen Fadens zwei Stücke  Stoff aneinander zu befestigen, der kann nähen. Punkt. DAS lernen tatsächlich schon Grundschüler - war zumindest bei mir so (3. Klasse denke ich). Und ehrlich gesagt sind einige Dinge, die ich für meinen Handarbeitsunterricht in der Grundschule genäht habe schon schwieriger als jedes meiner Mittelalterkleider. Gott, ich habe Klamotten für meine Barbies genäht! Erstens futzig klein, zweitens so richtig mit Kragen und Abnähern, damit Barbies unrealistische Oberweite reingepasst hat und es nicht zur Kollektion 'Sack' gehört. Aber ich schweife schon wieder ab.

Und wenn man ihnen - nicht unbedingt glaubhaft, wenn ich mir den Ton etc. bedenke - vermittelt hat, dass es nicht soooo schwierig ist, dann haben sie alle keine Zeit dafür. 
Weil es auch so schrecklich lange dauert. Ich meien, Moooonate. Und das am Stück. Da ist gerade so Essen und Schlafen mitinbegriffen. Und weil wir alle Arbeiten müssen geht das natürlich nicht und überhaupt, ich hätte meine Klamotten gerne gestern!
Jep... ich mache mich immer noch lustig über sie.

Entscheiden wir uns doch, ob ich kein Geld oder keine Zeit habe. Eigentlich wollte ich gerade schreiben, wenn ich beides nicht habe, ist Mittelalter das falsche Hobby. Nein, du brauchst wirklich beides. Nicht unbedingt gleichzeitig....  

Nope, keine Lust wäre wohl richtiger. Natürlich ist es Aufwand. Deutlich mehr Aufwand, als einfach irgendwo im Internet ein Fantasykleidchen anzuklicken, den überteuerten Preis elektronisch zu bezahlen und es vermutlich spätestens zwei Tage später schon anziehen zu können. Klar, das sehe ich ein. Aber natürlich sagt das keiner. Keiner würde einfach so sagen, "hey Leute, danke für den Hinweis, aber ich hätte gerne eine beuqemere Alternative, weil, ich bin halt faul."

Ich habe mal annodazumal eine Anleitung für die neuen Mitglieder der Terra geschrieben. Die ist schon viel zu umfangreich und lässt das ganze zu kompliziert aussehen. Es ist wirklich, wirklich simpel. Rechtecke und Dreiecke. mehr ist es nicht.Gerade Linien (bis auf den Kragen ^.^).

Ich persönlich nähe inzwischen alles per Hand. Ich habe zwei Nähmaschine wohl gemerkt. Und das Handnähen liegt nicht daran, (jedenfalls nicht ausschließlich) dass es authentischer ist als das nähen mit der Maschine. Nein, die sind beide nicht in Ordnung und nach kurzer Zeit gehen die Nähte wieder auf. Dann muss ich die wieder Flicken. Und ganz ehrlich, das ist insgesamt mehr Aufwand mit dem Flicken als es gleich 'richtig' zu nähen. Ich habe auch keine Lust so ein Kleid in einem Rutsch zu nähen. Sagt ja auch keiner, dass ich das Kleid an einem Tag fertig kriegen muss. Stattdessen schaue ich dabei meine Serien, oder höre ein Hörbuch etc.. Dann nähe ich eine Naht und versäubere sie, dann hab ich keine Lust mehr. Und wann immer ich Zeit UND Lust habe, nähe ich die zweite Naht, die dritte usw. bis das Kleid halt fertig ist.