Montag, 5. September 2016

Die Gebote

Nein, nicht die 10 Gebote. Ich werde nicht über die Sinnigkeit christlicher Inhalte philosophieren - also keine Angst! Es ist viel, viel schlimmer! Muhahahah

Da ich noch nie wirklich diesbezüglich Gespräche mit anderen Darstellern geführt habe, werde ich unter gar keinen Umständen behaupten, dass dies eine allgemeine Weisheit sei oder auch nur von anderen so ähnlich in die Richtung gedacht wird (meine Version eines Disclaimers XD).
Für mich persönlich gibt es so etwas wie die ungeschriebenen Gebote des Hobbies. Ich habe dafür kürzlich extra das Label Re-enactment Gebot eingeführt, welches ich nutzen will, wann immer ich mich auf diese beziehe, oder wenn sich ein neues Gebot herauskristallisiert. Dabei gibt es natürlich unterschiedliche Bereiche auf die sich meine Maximen beziehen. Den Transport, die Herstellung, die Nutzung, Kosten, usw. entsprechend könnten die etwas weitgestreut erscheinen oder nicht unbedingt in einem direkten Zusammenhang stehen (sowas verwirrt Leute ja schon mal.).

Also, wer sich im folgenden wiederfindet, kann mir ja einen Daumen hoch geben, vielleicht bin ich da ja nicht alleine ^.^

  • Wenn du es nicht alleine tragen kannst, ist es nicht lagertauglich.
  • Keine offensichtlichen modernen Sachen offen sichtbar lassen. (Das schließt Flaschen, Müll, Schlüssel, Handy etc. ein.)
  • Wenn es gegen historisch korrekte Alternativen ausgetauscht werden kann, hat es im Lager nichts zu suchen! (Kunststoff-, Bambus-, Glas- oder Porzelanschüsseln, Laternen mit Glasscheiben, Bierbänke usw.)
  • Wenn die historisch korrekte Alternative den finanziellen Rahmen sprengt, kann man Kompromisse machen. (Keine Dauerlösung - sonst kann man das Hobby gleich aufgeben und einfach nur campen gehen)
  • Wenn man eine Besucherfrage nicht guten Gewissens richtig beantworten kann, soll man das zugeben. Besucher werden nicht mit Klisches, Halbwissen oder Lügen gefüttert!!!! (Nach dem Motto: Wer keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten)
  • Andere Gruppen sind andere Gruppen. Sie haben ihre eigenen Standards, auch wenn es einem nicht so vorkommt. Meistens hat man eh nicht dasselbe Hobby. 
  • Es gibt Ambientecamper, GroMis (Grob Mittelalter), Mittelalterdarsteller, Living History Darsteller, Re-enactor, A-Päbste und die ambitionierten Zwischenstufen. Jeder betreibt ein eigenes Hobby. Leider wissen viele nicht welches Hobby sie eigentlich betreiben.
  • Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Alles ist austauschbar. Die Ausrüstung ist NIEMALS fertig oder vollständig. NIEMALS. Es geht immer noch besser.
  • Nicht am falschen Ende sparen! Lieber einmal Geld in die Hand nehmen, als irgendwelchen Fantasy Quatsch zu kaufen (Gewandung, Keramik, Zelt etc.)
  • Eigenes (angelesenes) Wissen schlägt Hörensagen und 'Allgemeinwissen' immer. Im Zweifelsfall immer nachfragen wo jemand gelesen hat, was er gerade sagt. Das Blog von XYZ, YouTube etc. sind keine stichhaltigen Quellen. Wikipedia ist auch nur eingeschränkt vertrauenswürdig.
  • Re-enactment bedeutet soviel wie wiederholen, nachspielen; living history = lebendige Geschichte. Geschichte, so wie es war, nicht wie wir es gern hätten.
  • Alles ist möglich. Es scheitert nur an den eigenen Prioritäten. Will ich die Zeit investieren? Will ich das Geld investieren? Vieles kann günstig(er) selbst gemacht werden. Der Wille muss aber da sein.
  • Es ist durchaus möglich sich für eine Veranstaltung zumindest mit zeitgemäßen Lebensmitteln zu ernähren. Es müssen nicht ausschließlich überlieferte Rezepte sein, die sind sowieso nur in Ausnahmefällen überliefert.
  • Kartoffeln, Paprika, Tomaten & Co. haben nichts auf dem Tisch zu suchen. Man muss den Ambientecampern auch ihre Niche lassen.
  •  IKEA = Idioten kaufen einfach alles
  • Hollywood versucht nicht mal Mittelalter in irgendeiner Form darzustellen, also zählt kein Film als Quelle. 
  • Angaben irgendwelcher Online Shops sind mit Vorsicht zu genießen. Nicht in allem wo Mittelalter drauf steht ist auch Mittelalter drin.
Und es werden definitiv noch mehr ^.^;

Jetzt erwarte ich natürlich den allgemeinen Aufschrei, ich böse, arrogante ... A-Päbstin, halte mich für was besseres und überhaupt, was für eine Doppelmoral ich denn praktiziere. Vielen Dank an dieser Stelle für das bestenfalls Überfliegen meiner 'Gebote'. Weder richtig gelesen, noch verstanden, was ich da überhaupt geschrieben habe.

Für mich ist das Hobby ein steter Fortschritt. Verbesserung ist das Ziel, denn Perfektion ist kaum möglich - schließlich  hat man ja noch sein richtiges Leben, wo man das Geld verdienen muss, dasmit man sich den Spaß leisten kann.

Für einige sind Bezeichnungen wie Ambientecamper, GroMi etc. Beleidigungen. Aber warum? Wenn man doch selbst schon sagt, man möchte nicht authentisch sein in bestimmten Bereichen und das auch nie sein wird, hat man sich doch selbst schon beantwortet, dass man in diesem Bereich eben KEIN Mittelalter (ganz grob) macht. Ist ja nichts falsches dran. Der Kölner sagt "Jedem Tierchen sein Pläsierchen". Alle sollten diesbezüglich etwas entspannter werden. Alle machen irgendwie Mittelalter, aber wir machen eben nicht dasselbe, manchmal nicht mal das gleiche. Und keiner macht etwas besser oder schlechter als ein anderer, denn sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen.

Verkauft mir bloß keine Steckstühle, Glaslaternen und Bundschuhe als hochmittelalterliche Gegenstände. Da hört dann die Toleranz auf, weil es einfach falsch ist. Und um Gottes Willen, seid sparsamer mit dem Wort authentisch. Vor allem, wenn ihr all euer Wissen von dritten oder aus dem Internet habt, solltet ihr eher leise treten, denn so oder so kann da jeder erzählen was er will. Bücher beißen nicht.

Freitag, 2. September 2016

Verarbeitung von Rohwolle I.: Anschaffung, Waschen und andere Probleme

Es war einmal vor langer Zeit, da habe ich Rohwolle auf eBay ersteigert. Und wenn ich Rohwolle meine, meine ich unbehandelte Wolle direkt vom Schaf. Noch mit dem ganzen Gras, Dreck, Wollfett etc. im Vlies. Ich habe mir das wirklich leicht vorgestellt. Ein bisschen auswaschen, zurechtzupfen und dann verspinnen... - mal davon abgesehen, dass ich eher schlecht als recht spinne, entsprechend nicht sonderlich schnell bin und ewig bräuchte um nennenswert brauchbare Mengen Garn herzustellen....

Aber das Waschen war schon schwieriger als gedacht. Wolle verfilzt so unfassbar schnell. Meine Experimente waren da nicht sonderlich erfolgreich. Entsprechend steht der Karton seit vier Jahren oder so rum. Es gab in meinen ersten gewaschenen Portionen Wolle schon eine Motteninvasion. Dass ich aus diesem Vlies bisher nichts gemacht habe, lässt sich wohl unschwer herauslesen, oder? Irgendwann wollte ich es noch mal versuchen die Wolle zu waschen, nachdem ich eine andere Mehtode auf YouTube gefunden habe - oder sagen wir andere Tipps und Tricks - aber ich fand auch heraus, dass das Wollfett polymerisiert - dass bedeutet, es wird fest, also noch schwerer rauszuwaschen.
Fuck you! Dachte ich mir und habe diese Wolle als Füllmaterial für zukünftige Kissen u.ä. designiert. Garn werde ich daraus nicht mehr versuchen zu spinnen.

Was ich aber in meinen Recherchen auch herausfand, war, dass man die Wolle vorm Verspinnen auch noch kämmen muss. Ich meine klar, die leicht angefilzte Wolle wieder schon fluffig machen, das schien mir logisch. Aber bisher habe ich nur mit Kammzügen oder Wolle im Kardenband gesponnen - gekauft versteht sich. Das ging alles wunderbar und ich habe da ehrlich gesagt nicht näher drüber nachgedacht... Da sieht man, wie viel Stadtmensch jeder von uns schon ist, dass keiner mehr weiß, wie viel Arbeit eigentlich in irgendwas steckt.
Das Kämmen ist wieder so eine Sache. Ich habe weder Wollkämme, noch diese Karden / Kardätschen. Jedenfalls nicht die Varianten, die für die Wollverarbeitung nötig sind. Und natürlich bin ich bisher zu geizig gewesen mir das eine oder andere zu kaufen. Aber man kann ja vieles selber machen - wenn man denn mal macht. Im Winter. Kurz vor Ostern ist noch Winter, oder? Und bei dem Sommer 2016 könnte man meinen, dass bis zu den paar heißen Tagen, die wir Ende August hatten auch vorher mehr oder weniger noch Winter war...

Dienstag, 30. August 2016

Dinge, die ich nicht tun würde....

Wenn ich mich so durch das www wusele, stolpere ich regelmäßig über Dinge, bei denen ich nur noch WTF?! denke. Angefangen bei der Preiskalkulation einiger semiprofessioneller Anbieter von Gewandung und Co. bis.... Ich glaube, einen wirklichen Anfang hat es nicht und ein Ende sicher nicht. Und übrigens semiprofessionell, da ich stark bezweifele, dass die Mehrzahl derer entweder eine fundierte Ausbildung haben, und noch weniger wahrscheinlich einen Gewerbeschein, eine Umsatzsteuernummer o.ä. haben, oder den Hauptteil ihres Lebensunterhalts mittels der Fertigung und dem Verkauf von mittelalterlich anmutender Kleidung bestreiten.

Aber was ich wirklich erschreckend finde, neben offensichtlich unhistorischer Fantasyklamotten, die regelmäßig in Mittelalter Gruppen, Verkaufsgruppen, Flohmärkten etc. angeboten werden, ist die Dreißtigkeit mit der sowas angeboten wird. Sowas würde mir ja im Leben nicht einfallen. Zum einen natürlich die Tatsache, dass die Preise oft mehr als gesalzen sind. Und dass die Sachen genauso oft mit Mittelalter nichts  zutun haben, oft nicht mal wirklich Fantasymittelalter, sondern eher so in der Art, ist irgendwie alt und rustikal, das MUSS Mittelalter sein! Und noch dreißter finde ich ja fast schon, wenn Dinge zu horrenden Preisen angeboten werden mit der Info, müsste geflickt werden, hat Löcher, Flecken, Makel X, kann aber leicht selber behoben werden. Ich würde das ja beheben und mit dem Zusatz, DASS mal ein Makel bestand verkaufen.

Genauso würde ich aber gar nicht erst irgendeinen Quatsch als 'Mittelalterkleid' o.ä. unter die Leute bringen. Dass sowas in Mittelalter Verkaufs- oder Flohmarktgruppe Angeboten wird, liegt eindeutig an der Klientel, und das wird man nicht ändern. Und einige dieser Kleider sind auch echt schön. Sind halt nur kein Mittelalter. Dann armen Anfängern sowas als Mittelalter zu verkaufen, das ist schon böswillig irreführend. Und sowas dann in Re-enactmentgruppen zu versuchen ist einfach kriminell dumm. Seine Ware korrekt zu bezeichnen und zu beschreiben und auch noch an der Richtigen Stelle (d.h. der richtigen Verkaufsplattform mit der passenden Klientel) scheint schon sehr schwierig zu sein...

Zusammengefasst: Ich würde keine potentiell unwissenden Kunden verarschen, in dem ich ihnen überteuerten, kaputten oder schmutzen Fantasyschnickschnack als Mittelalter verkaufe.


Dienstag, 21. Juni 2016

Lagerresümee: Brandenburgfest 2016 (Fotos)

Am vergangenen Wochenende (19. + 19.06.2016) fand das Brandenburgfest auf der Burgruine Brandenburg in Thüringen statt. Es war mein erstes Mal auf dem Brandenburgfest und das erste Mal, dass ich selbst eine so weite Strecke mit dem gepackten Auto fahren musste. Aber das hat ganz gut geklappt.

Da ich die letzten beiden Veranstaltungen ob meines mieserablen Gesamtgesundheitszustandes sehr kurzfristig absagen musste, und sich das ja auch in der Zwischenzeit nicht nennenswert gebessert hatte, war ja mein Wohnzimmer noch immer voll mit meiner gesammelten Mittelalterausrüstung. Ja, mein Wohnzimmer ist recht groß und kann die Menge, die ja zugegeben auch noch in mein kleines Auto passen muss, aufnehmen. Und ja, für Außenstehende muss das nach nem richtigen Messihaushalt aussehen, wenn überall Kisten und Körbe gestapelt rumstehen... machste aber nix, wenn de dich nicht schmerzfrei bewegen kannst um das alles wegzuräumen. Und ne Woche vor ner Veranstaltung fange ich dann auch wieder nicht an alles wegzuräumen, wenn ich es dann 5 Tage später wieder alles hoch holen muss - so bequem bin ich dann schon.
Aber, zumindest meine Rückenschmerzen hatte ich soweit in den Griff bekommen, dass ich mir ohne Bedenken das Be- und Entladen des Autos zugetraut habe und der Gedanke auf dem Boden zu schlafen mich auch nicht geschreckt hat. War fast wie eine Wunderheilung XD

Also, mit den sonstigen Vorbereitungen, die mehr mit meiner Abwesenheit als mit Mittelalter zutun hatten, konnte ich leider nicht Donnerstag laden, wie ich es eigentlich erhofft hatte. Dann hab ich mir am Freitag einen zurecht gepuzzelt und irgendwie wollte es nicht so recht passen in das kleine Auto. Man bedenke, ich hatte doch alles schon mal drin! Ich wusste, dass es passt. Aber irgendwann war alles verstaut. Also, duschen, essen, Abfahrt. Essen?? Ja, mal wieder das frühstück rausgezögert und alles lief mal wieder nicht rund. Entsprechend bin ich nicht nur später losgefahren als ich wollte, ich war noch später losgekommen als ich eigentlich angekommen sein wollte T_T. Sowas ist natürlich frustrierend sonder gleichen.
Aber irgendwann rollte ich endlich. Die Fahrt verlief auch ziemlich reibungslos. Nicht einen Stau, trotz einiger Baustellen unterwegs. Die Strecken, die man wegen den Baustellen 80 oder gar 60 fahren sollte, waren trotzdem flüssig passierbar. Ich habe die meiste Zeit der Fahrt sowieso am Telefon verbracht ^.^ Obwohl sich meine Gesprächspartnerin beschwert hat über den Pfeiffton, den mein Dachgepäckträger von sich gegeben hat. Inzwischen habe ich die vorgesehenen Gummilippen eingesetzt und hoffe darauf, dass der Pfeiffton beim nächsten Einsatz nicht mehr (so schlimm) zu hören sein wird. Mit der Gummilippe wird aber auch das Montieren demnächst einfacher, denke ich, da ich nicht mehr darauf achten muss, dass sie auf beiden Seiten gleichweit herausstehen. Da ist nun kein Spiel mehr.

Frontansicht meines Zelts - mit gedecktem Frühstückstisch
Am Lagerplatz angekommen, herrschte erst mal Verwunderung. Keiner hatte mit mir gerechnet! Kann ja mal passieren, wenn man gleich zwei Veranstaltungen direkt vorher abgesagt hat T_T Der kurze Moment des Schocks und der Gedanke "Völlig umsonst Tetris gespielt. Völlig umsonst 300km gefahren" war aber schnell überwunden, als man gleich mit mir auf die Jagd nach einem Stellplatz für mein Zelt ging. Gleich hinter dem Lager des Kerns des deutschen Ritterconvents, beim Thüringischen Ritterbund (die ja auch zum Ritterconvent gehören und somit keine Fremden waren) war noch wirklich ausreichend viel Platz um mich dort auszubreiten. Und wie viele liebe Menschen mit angepackt haben und beim Ausladen und vor allem beim Zeltaufbau geholfen haben! Das Zelt stand rasend schnell. Gerade meine Nachbarn vom Thüringischen Ritterbund haben wirklich tatkräftig mitangepackt. Da kam ich mir schon fast überflüssig vor >.<




Linke Seite des Zelts - mein Bett und so
Erst als es ans Schlafen ging, ist mir jedoch bewusst geworden, wie stark die Neigung des Untergrunds wirklich war. Klar, dass es nicht eben war, war mir gleich bewusst, aber beim Schlafen war es echt anstrengend. Zumal ich dieses Mal das Feldbett Zuhause gelassen hatte. Aber selbst mit Feldbett hätte ich vermutlich ordentlich unterlegen müssen um nicht vom Feldbett zu rollen. In der zweiten Nacht hatte ich dann meine Ausrichtung von quer zum 'Abhang' zu senkrecht geändert, in der Hoffnung dann nicht so leicht zu rollen. Aber weit gefehlt! Denn auch so gab es noch ne Neigung quasi diagonal. Plus, ich bin samt Fell und allem einfach mit den Füßen zuerst Richtung Abhang gerutscht. Das ein oder andere Mal war ich kurz davor mit den Füßen unter der Zeltplane hervorzuschauen T_T Das ist natürlich anstrengend, da ich was sowas angeht dann doch einen sehr leichten Schlaf habe und entsprechend sehr oft nachts meine Position anpassen musste - sprich, wieder hochrutschen.
Rechte Seite des Zelts - Essen, Geschirr und so

Einige andere beklagten sich, dass sie von allerlei Geräuschen wachgehalten wurden. U.a. einem weinendem Baby. Aber ganz ehrlich, da ich ja mehr tagsüber schlafe als nachts, bin ich was das angeht echt abgehärtet und habe das nicht mal wahrgenommen. Alles eine Frage der Übung.

Und da war ich sooo motiviert. Und ich dachte, yay, da bist du aber echt fit zur Abwechslung! Und dann kam der Samstag Morgen. Es ging eigentlich. Gemächlich habe ich mich erhoben. Endlich mein Zelt auf- und umgeräumt. Alles so weit versteckt, sodass das Zelt wirklich aufbleiben konnte. Danach habe ich mich zu den sanitären Einrichtungen begeben, die doch gefühlt weit weg waren und anschließend noch in aller Seelenruhe gefrühstückt, bis ich mich auch mal der Menschheit und allen mir bekannten Teilnehmern gezeigt habe. Aber schon da ist aufgefallen, dass ich irgendwie so still war. Ich war einfach furchtbar platt. Gar nicht mal wirklich müde - denke ich - aber einfach so ohne Energie. Teer im Kopf und alles war so schwerfällig. Der Moment, wo Atmen schon eine bewusste Anstrengung ist und man zu mehr gar nicht fähig ist. Ich wollte dann nur eben die Reste meines Frühstücks wegräumen und bin dann fast über meiner Schlafstatt zusammengebrochen. Nur mal kurz hinlegen... und weg war ich. Es war nicht mal richtiger Schlaf. Eher so ne Teilbewusstlosigkeit. So habe ich dann das meiste des Samstags verbracht, insgesamt bestimmt 5h oder länger. Als ich dann gegen spätem Nachmittag / frühem Abend wieder unter Menschen kam, war ich noch nicht richtig fit, aber wenigstens nicht mehr so wachkomatös. Ich hatte fürchterliche Kopfschmerzen, aber was willste machen. Ich gesellte mich an Landgrafens Tafel und schaute den anwesenden beim Essen zu. Man lud mich ein mitzuessen - mal wieder war im Überfluss gekocht worden ^.^ - aber mir war gar nicht nach essen. Als alle dann fertig waren, hat man mir dann doch noch zumindest die Reste des Fleischs serviert. Aber auch mit der vergleichsweise kleinen Portion (war ja nur ein Schälchen Fleisch ohne Beilage, das hätte ich wahrlich nicht geschafft), war ich schon überfordert und war als bald am kämpfen. Dass es sehr lecker war, hat dabei leider nicht geholfen.

Dafür war ich am Sonntag dann doch fit. Ich habe mir die Belagerung der Burg angesehen und für das Turnier habe ich mich sogar flugs umgezoen und mir das Spektakel von der Bühne aus angesehen (Instantzofe ^.^; hat natürlich noch viel Spielraum zur Verbesserung). Da konnte ich natürlich nicht mal eben das Smartphone zücken und Fotos machen. Da bekäme ich aber gehörig den Marsch geblasen und dürfte mich bis auf weiteres nicht mehr blicken lassen ^.^;;;;

Und nach reiflicher Überlegung, ist mir dann bewusst geworden, wenn gegen 18 Uhr erst Veranstaltungsende ist, ich dann anfange mein Gerödel einzupacken und das Zelt abzubauen, dann wäre ich vielleicht gegen 20 Uhr vom Fleck gekommen und wäre mit viel Fantasie noch vor Mitternacht Zuhause angekommen. Insgesamt war ich dagegen im Dunklen die lange Strecke zu fahren und habe dann beschlossen erst am Montag Morgen abzubauen. Später stellte sich auch heraus, dass meine Schätzung um acht schon losfahren zu können sehr optimistisch war, da viele noch am Sonntag abbauen mussten und es sich an den verschiedensten Stellen staute. Ein Lagerteilnehmer kontaktierte seine Töchter per Mobiltelefon und bat sie schon mal alleine (alleine ist relativ, mit dem Ritterconvent um einen herum ist man ja nicht alleine ^.^) das Zelt fertig abzubauen, da es eventuell noch 1,5h (!) dauern könnte, bis er mit dem Auto am Platz ist. Jep.
Der Parkplatz war im nächsten Ort. Zugegeben, die Aktiven mussten ein Stück zu Fuß gehen, aber da der Parkplatz gleich an Wohnhäuser anschloss, fand ich das gar nicht mal so schlecht. Ich habe mir da deutlich weniger Sorgen um mein Auto gemacht, als bei manch anderer Veranstaltung, wo ich als Aktive am ADW parken musste. Nur war eben die Zufahrt zum Gelände schwierig gestaltet. Gegenverkehr war kaum zu bewältigen und mit den noch aufgebauten Lagern war auch die Bewegungs- und Wendefreiheit extrem eingeschränkt. Das war auch eine Form von Tetris, bis jeder irgendwo nah genug an seinem eigenen Lager herangefahren war um nicht sein Gerödel ewig weit tragen zu müssen. Ich muss sagen, da war meine Position in der hintersten Ecke gar nicht soooo schlecht, da ich gleich an den Rettungswegen gelegen war und das Gros des Thüringischen Ritterbundes bereits am Sonntag Abend abgebaut hatten.

Allerdings lief natürlich beim Abbau trotzdem nicht alles rund. Mein Plan war früh abbauen und Laden und gegen Mittag schon wieder Zuhause zu sein, damit ich nachmittags zum Pferd kann. Also stand mein Wecker auf 5:30 Uhr - was auch absolut kein Problem war, da ich noch vorm Wecker wach war. Als ich jedoch raussah, war da Nebel. Also Feuchtigkeit überall. Damit war ja mein Zelt schon mal potentiell nicht trocken. Also hab ich gewartet, mich noch mal hingelegt und als ich später kurz in die Büsche musste - was wirklich eine meiner schlechteren Entscheidungen war, da es dort wirklich wirklich steil abschüssig wurde, das Gras jedoch sehr hoch und alles natürlich mehr nass als feucht, rutschte ich und saß mit dem Hintern im Nass - in meinem Nachthemd. Gut, dass so früh keiner untewegs war ^.^ Das zeigte mir aber nur um so deutlicher, wie nass es war. Also habe ich dann gegen halb acht angefangen im Zelt alles zusammen zu räumen. Dann hab ich alles aus dem Zelt befördert, gefrühstückt und mich dann auf den Weg zu meinem Auto gemacht.

Der Knöchel am Nachmittag
Aber schon beim dritten Teil, der Tischplatte, wurde mir der feuchte Untergrund und die Neigung zum Verhängnis. Ich rutschte, knickte um, fiel, donnerte mir die Tischplatte gegen das Schienbein des anderen Beins und saß mit dem Hintern wieder auf dem nassen Boden. Ich robte mit meinem Hintern auf die Tischplatte, befreite meinen Fuß und legte ihn auf den kühlen, nassen Boden. Ich hatte ja keinen Eimer Wasser oder gar ein Kühlpack bereit um meinen Knöchel zu kühlen. Ich hatte es knacken gehört und ich bin mir aus leidlichen Erfahrungwerten ziemlich sicher, dass da mal wieder ein Band angerissen ist. Hab ja nur schon an jedem Fuß das ganze zwei mal durch. Mitbekommen hat das aber anscheinend niemand, so einsam wie ich ja inzwischen in meinem Eckchen war. Das Schienbein konnte ich mir erst nachmittags ansehen, da die Hosenbeine unten so eng waren, dass ich die Hose nicht hochgenug ziehen konnte, ohne dass es fieß weh tat. Ich hab dann die Tischplatte ins Auto bugsiert und bin noch näher, und vor allem auf ein weniger abfälliges Stück Boden gefahren, um den Rest einzuladen. Das Zelt war aber immer noch nicht trocken. Abwartend hab ich mich dann zum restlichen Ritterconvent gesellt und immer mal wieder ein Auge aufs Zelt gehabt. Nach einer Weile ist mir dann aber der Geduldsfaden gerissen und ich hab das Zelt abgebaut und die Plane in der Sonne ausgebreitet. Die Sonne kam nämlich von de Rückseite, wo jedoch der Schatten des Waldes war und vorn fiel natürlich keine Sonne drauf -.- Am Ende war ich frustriert, weil mein Zelt SO gut imprägniert ist, dass sich die Feuchtigkeit wie beim Lotuseffekt in Perlen gesammelt hat und die brauchten natürlich viel länger als eine dünne Feuchtigkeitsschicht zum Trocknen. Nachdem es ja schon fast Mittag war, hab ich dann angefangen die Perlen mit dem Ärmel meines Shirts trocken zu tupfen bzw. zu verteilen, damit das schneller geht. Abfahren konnte ich dann irgendwann gegen halb zwei >.<


Ich habe dann nicht die schnellste, oder kürzeste Route gewählt, sondern die, die zufällig die A4 runter führte, an der ja der Stall gelegen ist, wo mein Pferdchen logiert. Also kurz vorbei geschaut, ob der Herr noch auf allen 4 steht, ihn ein wenig ans Laufen gebracht und gefüttert, und weiter gen Heimat. Ja, mit dem gepackten Auto stand ich vorm Stall. Nein, ich bin nicht geritten. Ich wäre zwar hoch gekommen, aber ich war nicht so zuversichtlich, was mein Knöchel zu Steigbügeln, Hilfen geben und vor allem Absteigen gesagt hätte.
 Gegen 18;15Uhr war ich dann auch endlich Zuhause. Natürlich hatte es unterwegs angefangen richtig ordentlich zu regnen, weshalb ich dann nur das aller nötigste aus dem Auto geholt habe. Den Rest habe ich dann heute Nachmittag ausgeladen.

Inzwischen ist mein Fuß bzw. Knöchel auch bunt geworden, parallel zur Sohle hat sich ein dunkellila Bluterguss gesammelt und der gesamte Knöchel ist dick. Also auch auf der Innenseite und am Spann. Die Schmerzen halten sich ehrlich gesagt im Rahmen, ich hatte das ganze irgendwie heftiger in Erinnerung. Zugegeben, ich hatte ob meiner möglichen Rückenschmerzen (entzündeter Ischijas und so) nur vorsorglich Diclofenac eingepackt, statt der sonst obligatorischen Ibuprofen, aber ich dachte mir so: Schmerzmittel ist Schmerzmittel, oder? Also hatte ich schon nach dem Unfall eine genommen. Allerdings scheint sich da gar nicht wirklich was am Schmerzempfinden getan zu haben. Der Unterschied mit und ohne war nicht wahrnehmbar. Und so lange ich den Fuß nicht kippe, ist auch alles 'ok'.

Montag, 30. Mai 2016

Aus ein paar Metern Leinen.... (Fotos)

Wenn ich es recht betrachte, ist Leinen ein sehr vielseitiges Material. Es ist gut geeignet für Kleidung, als Bezug für Kissen, Decken, oder Matratzen. Es ist aber auch robust genug um einen Sack oder Beutel daraus zu nähen, der einiges an Gewicht hält. Oder Gurte für Kiepen.
Für Kopfbedeckungen ist Leinen auch immer erste Wahl, da es ein gutes Klima hält und gleichzeitig pflegeleicht beim Waschen ist.
Aber auch Handtücher oder Geschirrtücher aus Leinen profitieren von den Wascheigenschaften.

Und wie der Zufall es so will, hatte ich noch etliche Meter naturfarbenes Leinen in meiner Stofftruhe.

Angefangen habe ich mit einer neuen Kopfbedeckung. Für meine einfache Darstellung wollte ich was anderes als einen Schleier und der Wimpel ist mit der Windung unterm Kinn auch schon irgendwie zu fein. Dann noch das gebleichte Leinen - zugegeben, sauber ist anders :P
Ich habe mich an die Anleitung in 'Kleidung des Mittelalters selbst anfertigen - Kopfbedeckungen für Mann und Frau' gehalten für meine Haube. Allerdings ist das ganze irgenwie etwas groß geraten finde ich. Und die Kordel finde ich wiederum etwas kurz, die werde ich wohl 'verlängern'. Aus Jux habe ich mir die Haube mal vor den Bauch gehalten. Würde auch als Schürze gut doppeln.


Dann ein neues Unterkleid für meineeinfache Darstellung. Ich habe eigentlich nur ein einziges Unterkleid, was tragbar ist, denn das andere ist doch deutlich zu groß geraten. Dieses eine ist aber mein Lehrstück gewesen, also ein Flickwerk an Improvisationskunst sondergleichen. Angefangen zu nähen hab ich es 2005, fertig und das erste Mal getargen habe ich es 2009. Also nach 7 Jahre sollte es wirklich kein Problem sein mal eben ein vernünftiges neues Unterkleid zu nähen. Lang genug aufgeschoben habe ich es ja. Und dann habe ich spontan, während ich eigentlich am telefonieren war, angefangen ein neues Unterkleid zuzuschneiden... hat sich fast von selbst genäht. Bin ich auch recht zufrieden mit. Die Ärmel sind ggf. etwas weit am Handgelenk, aber das ist besser als zu eng, da müsste ich wieder rumflicken und hätte letztlich nichts gewonnen.

Beim Packen für die Belebung der Burg Nideggen ist mir dann aufgefallen, dass der Korb für die Lebensmittel schon mit Getränken voll ist. Aber hey, Nur die Äpfel, Birnen, Möhren, Pflaumen und das Brot haben nicht mehr rein gepasst. Und ich dachte mir: Warum eigentlich nicht das Obst in nem Sack / Beutel transportieren? So abwegig schien mir das nicht zu sein. Der Sack ist etwas größer als ein Mehrwegeinkaufsbeutel und hat keinen Henkel / Trageschlaufen. Die einfachstmögliche Konstruktion eines Rechtecks, dass in der Mitte gefalten wurde und zwei Seiten habe ich zusammengenäht, so dass nur eine Seite offen blieb. Beutel halt.

Dabei sah es schon so fast wie ein Kissenbezug aus. Und warum nicht? Wenn ich mein Zelt öffnen möchte, ist der rote Baumwollbezug sicher nicht so der Brüller. Dann habe ich also noch einen Kissenbezug genäht. Zugegeben, das Kissen, welches zukünftig darin stecken wird, ist definitiv kein authentisches (o= Aber es sieht zumindest nicht aus, als hätte ich es frisch bei IKEA mitgenommen.
Dabei hat sich der 'Hotelverschluss' wie sich das bei Bettwäsche nennt, als nicht so praktisch herausgestellt. Vermutlich hätte ich die beiden Enden weiter überlappen lassen müssen. Eine richtige Schnürung schien mir wirklich lästig beim Abziehen (wobei das vermutlich höchstens einmal im Jahr passieren wird ^.^ - ich weiß, ich bin faul) sehr unpraktisch. Alternativ habe ich zwei Schnüre angenäht, die jweils durch zwei Nestlelöcher geführt werden und dann miteinander verknotet werden. Warum nur vier Netzlelöcher statt... vielen mehr. (Ich sags ja, ich bin faul ^.^;). Auch hier bin ich ziemlich zufrieden.

Und gaaanz am Anfang, da hatte ich aus Reststücken noch kleine Lappen geschnitten. Zwei von dreien sind auch schon gesäumt. Das sollen mal Spüllappen / Waschlappen werden. Außerdem wären noch das ein oder andere Handtuch ganz gut. Das eine, was als Schürze doppelt (nein, nicht die Haube, das Handtuch, dass ich in Goch gesäumt habe) ist was wenig.

Ehrlich gesagt war ich schon am Überlegen, ob ich nicht einen 'Schlafsack' aus Leinen nähen sollte. Ich bin nicht so der Fan davon unter Wolldecken  zu schlafen. Oder direkt auf Fellen. Da wäre so ne Schicht Leinen schon ganz praktisch um den Schweiß zu absorbieren. Aber damit wäre das Aufstehen wieder so lästig kompliziert. Alternativ wäre schlicht ein 'Laaken' für über die Felle und ein Leinen Tuch als Zwischendecke. Nach dem Prinzip war das Bett in Meiland 'gedeckt' (oder wie auch immer das richtig heißt ^^) Aber ich bin gerade etwas unsicher, ob ich noch so viel Leinen über habe. Das wären dann noch etwa vier Meter, die ich bräuchte. Irgendwie zweifle ich da gerade dran.

Hatte auch überlebt, ob nicht ein Surcot aus Leinen auch praktisch wäre. Ist ja dann nichts anderes als ein Leinenkittel um meine Kleider zu schonen / schützen. Aber da brauch ich dann auch noch mal fast 1,5m denke ich.